So individuell wie wir Menschen sind
auch unsere Zähne und damit verbunden deren Farbe. Ob weiß, grau oder
eher gelblich wir haben auf die ursprüngliche Nuance leider keinen
Einfluss. Wohl aber auf die Spuren, die beispielsweise Kaffee, Tee,
Nikotin oder auch Medikamente im Laufe der Zeit hinterlassen. Wenn die
Zähne nach und nach ihren Schimmer verloren haben, ist das kein Grund,
das Lachen zu verlernen. Denn durch das so genannte Bleaching
können verfärbte oder nachgedunkelte Zähne ästhetisch aufgehellt
werden. Prof. Dr. Andrej M. Kielbassa erklärt im Interview mit proDente
unterschiedliche Methoden und Wirkungen.
Wie entstehen eigentlich Verfärbungen an den Zähnen?
Man unterscheidet die äußeren von den inneren Verfärbungen. Bei den
äußeren Verfärbungen lagern sich mit der Zeit Farbstoffe aus Nahrungs-
und Genussmitteln (Rotwein, Tee, Kaffee, Gewürze, Früchte, Tabak) in die
vorhandenen Beläge ein. Eine regelmäßige Mundhygiene
- zusammen mit der professionellen Zahnreinigung in der zahnärztlichen
Praxis – helfen, diese Verfärbungen zu vermeiden. Die inneren
Verfärbungen dagegen beruhen auf einer Farbstoffeinlagerung in den
Poren der Zahnhartsubstanzen. Die Farbstoffe können von außen eindringen
oder gelangen aus dem Zahnmark in die Zahnhartsubstanzen.
Abhilfe schaffen unterschiedliche Bleaching-Methoden. Was versteht man unter „In-office-bleaching“ und was unter „Home-bleaching“?
Beim "In-office-Bleaching"
wird mit hoch konzentrierten Bleichmitteln direkt in der Praxis eine
Zahnaufhellung erreicht. Hierbei werden Schleimhäute und Lippen durch
entsprechende Vorkehrungen geschützt. Dieses Verfahren wird oft auch als
einleitende Therapie für das sich anschließende "Home-Bleaching" durchgeführt. Das "Home-Bleaching"
selbst arbeitet dagegen mit niedriger konzentrierten Präparaten, die
vom Patienten in eine individuell hergestellte Schiene eingebracht
werden. Diese Behandlung erfolgt täglich über einen Zeitraum von etwa
zwei Wochen und kann bei Bedarf wiederholt werden, da die Schiene wieder
verwendbar ist.
Werden Kronen, Brücken und Veneers beim Bleichen mit aufgehellt?
Nein, keines der zahnärztlichen Materialien (Füllungen, Kronen,
Brücken, Prothesen) kann gebleicht werden. Insofern ist es vor größeren
Sanierungen wichtig, sich ein Bild über die eigene Zahnfarbe zu machen,
denn im Nachhinein sind keine farblichen Änderungen mehr möglich.
Einzelne wurzelbehandelte,
grau verfärbte Zähne können durch ein spezielles Verfahren aufgehellt
werden. Wie funktioniert das genau?
Die sogenannte "Walking-Bleach-Technik" bedient sich des gleichen
Wirkstoffes wie die bereits beschriebenen Verfahren. Auch hier kommt
Wasserstoffperoxid zum Einsatz. Allerdings handelt es sich häufig um
eine primär andere Grundsubstanz (Natriumperborat), die vom Zahnarzt in
das Zahninnere eingebracht wird und dort seine Wirkung über einige Tage
entfalten kann. Nach Kontrolle durch den Zahnarzt erfolgt eventuell eine
erneute Bleicheinlage, bis das gewünschte Resultat erreicht ist. Danach
wird der Zahn mit einer dichten Füllung verschlossen.
Können durch das Bleichen Nebenwirkungen oder gar Schäden an den Zähnen auftreten?
Die heutzutage üblichen Bleichmittel verursachen allenfalls
mikroskopisch nachweisbare Veränderungen, die reversibel sind.
Ernsthafte Schäden an den Zahnhartsubstanzen sind bei Anwendung moderner
Präparate, die der Zahnarzt dem Patienten aushändigt, nicht zu
befürchten.
Sollte nur ein Zahnarzt Zähne aufhellen oder können Sie auch Bleaching-Gels aus der Apotheke empfehlen?
Prinzipiell sollte jede Bleichbehandlung von zahnärztlicher Seite
begleitet werden, denn nur der Zahnarzt kann professionell einschätzen,
wodurch die Verfärbung
hervorgerufen wird, ob sie therapierbar ist und welches Mittel sich
hierfür eignet. Im Besonderen sollten komplizierte Fälle, wie
beispielsweise Flecken, nur durch den Zahnarzt behandelt werden. In
einigen Fällen kann sicher auch auf die in der Apotheke erhältlichen
Mittel zurückgegriffen werden. Eine eingehende Beurteilung und Beratung
durch den Zahnarzt wäre im Vorfeld allerdings zu empfehlen .
Wie lange hält das Ergebnis bei den einzelnen Bleaching-Verfahren an?
Diese Frage kann man nicht pauschal beantworten. Vielmehr hängt eine
eventuelle Wiederverfärbung vom Verhalten des Patienten ab. Mit anderen
Worten: Lebt der Patient fortan nur noch von Luft und Liebe, bleibt das
Ergebnis über Jahre stabil. Verändert der Patient seine Gewohnheiten
nicht und "badet" seine Zähne täglich in Rotwein, werden sich seine
Zähne innerhalb weniger Wochen wieder verfärben. Die besten Chancen auf
ein langfristig gutes Ergebnis hat der Patient, welcher regelmäßige und
gründliche Mundhygiene betreibt, sowie den Genuss stark verfärbender Lebensmittel und Getränke vermeidet.
QUELLE Initiative proDente e. V.